Tuebinger-Hospizdienste - Ehrenamtliche Mitarbeit II

Ehrenamtliche Mitarbeit

Von ihren Anfängen an arbeitete die Hospizbewegung mit Freiwilligen. Ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig zu sein bedeutet, sich auf die Begegnung mit anderen Menschen und ihrem Erleben einzulassen. Das bringt mit sich, mit dem Leben in vielen Facetten in Berührung zu kommen und mit existenziellen Fragen konfrontiert zu werden. Viele Ehrenamtliche schätzen es, in der Sterbebegleitung einem anderen Menschen und auch sich selbst Zeit zu schenken. Im achtsamen Dasein wird eine andere Zeitqualität erlebt und die Kostbarkeit des Lebens und menschlicher Begegnung spürbar.

Qualifizierung

Die Ehrenamtlichen der Tübinger Hospizdienste bereiten sich in einem 10-monatigen Kurs auf die Begleitung der Schwer-kranken, Sterbenden und ihrer Angehörigen vor.

Ziel dieser Vorbereitungszeit ist es, eine Haltung zu entwickeln, die den Sterbenden mit all seinen Bedürfnissen und Wünschen ernst nimmt, ihn in seiner Selbstbestimmung unterstützt und die ihm nahe stehenden Menschen als seine ersten Bezugspersonen respektiert. Dies erfordert von den Ehrenamtlichen, sich mit ihren eigenen Vorstellungen zurück zu nehmen und immer wieder aufs Neue die Balance von Nähe und Distanz zu finden.

Der Kurs will Gelegenheit geben, sich diese "hospizliche Haltung" anzueignen und das eigene Erleben und Handeln zu reflektieren. Er ist bewusst auf einen längeren Zeitraum angelegt, um einen persönlichen Entwicklungsprozess zu ermöglichen, der über die Schulungsabende hinaus im alltäglichen Leben, in Beziehungen und im Umgang mit sich selbst weiterwirken kann.

Die Gruppe spielt für diesen Lernprozess eine wichtige Rolle. Darüber hinaus entsteht durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen, das Austauschen persönlicher Erfahrungen und die Einübung eines achtsamen Umgangs miteinander ein vertrauensvoller Rahmen, der einen wichtigen Halt bietet und auch nach der Vorbereitungszeit bestehen bleibt.

 

Inhalte des Vorbereitungskurses

  • Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen
  • Begleitung und Unterstützung der Angehörigen
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit
  • Umgang mit Verlusten und Trauer im eigenen Leben
  • Kentnisse über den Sterbeprozess
  • Einführung in den Trauerprozess
  • Helfen und Begleiten
  • Grundlagen der Kommunikation
  • Sterbende Menschen verstehen
  • Wahrheit am Krankenbett
  • Biographiearbeit
  • Schmerztherapie und Palliativmedizin
  • Begleitung demenziell erkrankter Menschen
  • Rituale am Sterbebett
  • Organisatorische und rechtliche Fragen
  • Einführung in einfache Pflegetätigkeiten
  • Kurzpraktikum, Besuchsdienstpraktikum

Der Vorbereitungskurs gliedert sich in einen Grundkurs, einen Aufbaukurs und anschliessend eine halbjährige Praxisphase, in der die Ehrenamtlichen ihre Hospiztätigkeit aufnehmen und sich zur monatlichen praxisbegleitenden Supervision treffen.

In Einzelgesprächen werden die Voraussetzungen für die Teilnahme an Grund- und Aufbaukurs geklärt. Der Kostenbeitrag zum Grundkurs beträgt 80 €. Die Teilnahme am Aufbaukurs ist kostenfrei. Im Gegenzug verpflichten sich die Teilnehmenden, mindestens zwei Jahre lang ehrenamtlich im Hospizdienst mitzuarbeiten und etwa drei Stunden Zeit pro Woche für Einsätze zur Verfügung zu stellen. Wer sich dazu nicht in der Lage sieht, wird um einen Unkostenbeitrag von 600 € gebeten.

 

Übersicht über den Vorbereitungskurs

Die Kursabende finden im zweiwöchigen Rhythmus statt, jeweils von 18:30 - 21:15 Uhr. Beim nächsten Kurs, der im November 2009 beginnt, werden die Kursabende montags sein.

Grundkurs

Vorgespräch - Einführungswochenende - 3 Kursabende - Abschlusswochenende - Kurzpraktikum - Zwischengespräch

Aufbaukurs

Einführungswochenende - 10 Kursabende - 1 Tagesseminar - Abschlusswochenende - Pflegekurs - Besuchsdienstpraktikum

Praxisphase

Ehrenamtliche Tätigkeit (6 Monate) mit monatlicher supervisorischer Praxisbegleitung - Abschlussgespräch - Zertifikat

 

Voraussetzungen

Von den zukünftigen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird die Bereitschaft erwartet,

  • sich persönlich mit den Themen Sterben, Tod und Verlusterfahrung auseinanderzusetzen
  • eigene Erfahrungen und die anderer zu reflektieren und zu respektieren
  • eine eigene hospizliche Haltung herauszubilden, die in der achtsamen und respektvollen Begegnung mit dem sterbenden Menschen und seinen ihm Nahestehenden mündet
  • sich in der Begegnung mit dem sterbenden Menschen und seinen ihm Nahestehenden zurückzunehmen und sich an dessen Bedürfnissen zu orientieren
  • sich auf das Lernen in einer Gruppe einzulassen
  • sich in dem zur Mitarbeit vorgegebenen Rahmen des Dienstes einbinden zu lassen.

Weiterführende Fortbildungsangebote für die Ehrenamtlichen

Supervision: Einmal monatlich treffen sich die Ehrenamtlichen in Gruppen zur Supervision. Hier ist Raum für die Besprechung von Fragen und Problemen, die bei den Begleitungen auftreten, für gemeinsames Reflektieren und Erfahrungsaustausch. Die Supervisionsabende sind verpflichtend für alle, die ehrenamtlich tätig sind. Zeit: 18:30 - 21:15 Uhr

Praxisbezogene thematische Fortbildungen: Unterschiedliche Themen nach Interesse und Bedürfnis der Ehrenamtlichen.

Regionale Studientage: Zu unterschiedlichen Themen, in Kooperation mit anderen Hospizgruppen.

Fortbildungen/Studientage: In Kooperation mit der Volkshochschule Tübingen